Logo BPASS® Logo EURECERT® Logo EUKOBA e.V.


Startseite | Barrierefreiheit ... | in Städten und Gemeinden

 

Es gibt noch viel zu tun für ein gemeinschaftliches Zusammenleben

Ergebnisdokumentation BMAS EINKAUFEN 2030 Teil 2

Bevor wir einsteigen in die Thematik Städte und Gemeinden, lassen wir eine Betroffene exemplarisch erzählen, wie Sie als Rollstuhlfahrerin Barrierefreiheit in Stadt und Gemeinde erlebt. Bewusst haben wir hier eine Rollstuhlfahrerin ausgewählt, um zu zeigen, dass selbst in den Fällen, in denen man in Städten und Gemeinden denkt, barrierefrei - also eigentlich rollstuhlgerecht - zu sein, Barrieren nach wie vor alltäglich sind.

"Es gibt noch viel zu tun", lautet Esther Webers Fazit für den ländlichen Raum. 

Die 50-Jährige sitzt seit ihrem 15. Lebensjahr querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Sie lebt in Gutach, einem Ort im Breisgau mit 4.450 Einwohnern. Weber ist das, was als "Expertin aus eigener Betroffenheit" bezeichnet wird. Barrierefreiheit ist für die zehnfache Paralympics-Medaillen-Gewinnerin im Fechten ein sehr großer Begriff: "Es geht dabei nicht nur um den klassischen Rollstuhlfahrer, sondern es müssen gesamtgesellschaftlich die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden." Laut Webers Sohn ist sie bekannt wie ein "bunter Hund" in Gutach. Nicht nur wegen ihrer sportlichen Erfolge, sondern vor allem wegen ihres unermüdlichen Engagements für ein gemeinschaftliches Zusammenleben behinderter und nicht-behinderter Menschen. "Wir haben die gleichen Wünsche und Probleme wie andere auch, deshalb sollte miteinander und voneinander gelernt werden", erklärt sie. Gerade im ländlichen Raum sei dies einfacher, denn man achte mehr aufeinander. "Mein Nachbar beispielsweise schippt bei Schnee die Bahn auf dem Bürgersteig so breit, dass ich mit dem Rolli weiterkomme", fügt die Fechterin hinzu. Eine andere Nachbarin stellt für sie die Mülltonne raus.

Einfach mal so shoppen - schwierig

Behindert wird Weber außerdem von baulichen Barrieren. Hat sie im Rathaus etwas zu erledigen, ruft sie lieber an, denn sie kommt schlichtweg nicht rein: "Es ist eine Unzumutbarkeit, dass das Rathaus nicht barrierefrei zugänglich ist.“ Auch sei es zwar nett, dass es Möglichkeiten des "Drive in" bei Apotheken, Bäckern oder Banken gebe, aber "das ist weit entfernt von Teilhabe, wie ich sie mir vorstelle und wie sie für Menschen mit Handicaps angemessen wäre." Auch einfach shoppen oder sich mit Freunden in Cafes oder Kneipen treffen, ist für Weber eine kleine Herausforderung: "Es gibt kaum Toiletten für Rolli-Fahrer, ganz zu schweigen von Umkleidekabinen in Geschäften." Für sie stellen die starren DIN-Regelungen der Landesbauordnung ein Problem dar. "Ich kann kaum Freunde besuchen, weil es zu viele bauliche Barrieren gibt."

Sich auf Augenhöhe begegnen

Als Kundin bekomme die Sportlerin so nur einen kleinen Einblick ins Angebot und eben nicht die gesamte Vielfalt geboten: "Die barrierefreie Infrastruktur ist - zumindest wo ich wohne - noch immer unterentwickelt." Gerade die Barrierefreiheit bietet laut Weber mehr Lebensqualität für alle: "Ich sitze seit mehr als 30 Jahren im Rollstuhl und kann es noch immer nicht fassen, dass selbst heute noch diskutiert wird, ob etwas barrierefrei geplant werden muss." Sie hofft deshalb auf ein Umdenken. Aber auch das persönliche Engagement ist laut Weber wichtig: "Wenn ich mich als Mensch mit Handicap aktiv ins Dorfgeschehen einbinde, können Bedürfnisse klarer formuliert und besser umgesetzt werden". Dann kann es auch ganz einfach gehen. Auf ihre Initiative hin ist das Schwimmbad in ihrem Wohnort barrierefrei umgebaut worden, so dass sie über eine Rampe ins Wasser gelangt: "Durch die Rampe ist es zur Normalität geworden, wie ich ins Wasser komme, und es wird nicht mehr gegafft." Sich auf Augenhöhe begegnen ist das, was Esther Weber sich wünscht - und einfordert. Und sei es im Schwimmbecken. (Danke an  Florence-Anne Kälbe für diesen aussagekräftigen Bericht)

 

Exemplarisch: Wo liegen die Probleme

Wir gehen nachfolgend zunächst beispielhaft nur auf baulische Probleme ein und lassen politsche und monetäre Problemstellungen außen vor. Sie werden am Beispiel Düren gleich schnell bemerken, dass der bloße Wille, Barrierefreiheit umzusetzen seine Tücken hat, wenn man nicht koordiniert und gemeinsam plant. Düren ist mit etwa 92.000 Einwohnern eine große Mittelstadt am Nordrand der Eifel zwischen Aachen und Köln in Nordrhein-Westfalen. Sie ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises. Sie beheimatet u.a. das Berufsförderungswerk Düren für Blinde und Sehbehinderte und mit der Lebenshilfe WfbM rurtalwerkstätten einen der größten Arbeitgeber der Region.

 

Unser Szenario: Wir möchten kurz im StadtCenter einkaufen gehen, dann Kontoauszüge bei der Sparkasse abholen und abschließend im Rathaus an einer Infoveranstaltung teilnehmen. Wir zeigen kein detailliertes Bild aller Barrieren und Probleme auf, sondern gehen vereinzelt auf Barrieren aus Sicht unterschiedlicher Beeinträchtigungsarten ein. Wir betreten auch keines der Gebäude, sondern konzentrieren uns auf die reine Wegführung, die übrigens für Rollstuhlfahrer problemlos zu bewältigen ist, wie in vielen anderen Städten auch.

 

Düren1

...

Düren2

...

Düren3

...

Düren4

...

Düren5

...

Düren6

...

Düren7

...

Düren8

...

Düren9

...

Düren10

...

Düren11

...

Düren12

...

Düren13

...

Düren14

...

Düren15

...

Düren16

...

Düren17

...

Düren18

...

 

 

Waren diese Informationen hilfreich?

Diese Seite teilen


© Die BPASS® Darstellung, Idee und Konzept sowie zugrundeliegende Prüfrichtlinien, Bewertungsschemata, die Klassifizierung und Nutzergruppeneinteilung sind geistiges Eigentum des Europäischen Kompetenzzentrums für Barrierefreiheit und urheberrechtlich geschützt. An- und Verwendung des Systems oder der Texte und Grafiken, auch in Teilen, sind nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Rechteinhabers gestattet. Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt.